Wie elea mit tief integrierter KI das Gesundheitswesen verändert

Hallo Sebastian, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Stell dich unseren Leser:innen doch mal kurz vor – wer bist du, und was machst du bei elea?

Hi, ich bin Sebastian, Arzt, (Mit-)Gründer und Geschäftsführer bei elea (Elea.ai GmbH). Ich war viele Jahre Chefarzt und Ärztlicher Direktor. Heute bin ich Mitglied eines starken Teams, das die Zukunft der Medizin nicht im OP oder im Schockraum, sondern mit KI-assistierter Technologie grundlegend verändert.

Vielleicht möchtest du uns Euer Startup, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?

elea ist ein Hamburger HealthTech-Unternehmen, das sich auf digitale Lösungen im Gesundheitswesen spezialisiert hat. 4 Gründer, Christoph Schröder, Tobias Lygren, Stephan Frank und ich haben nach Gründung ein großartiges Team aufgebaut. Hauptstandort ist derzeit Hamburg. Weitere Standorte haben wir in Freiburg und im Silicon Valley.
Wir entwickeln KI-gestützte Software, die nicht nur Sprache zu Text umwandelt, sondern durch die tief im System integrierte künstliche Intelligenz die Informationen versteht und für die Dokumentation und den optimierten Workflow verarbeitet. Unsere Vision: medizinische Dokumentation und Befundung sowie die alltäglichen Workflows neu denken – für schnellere Diagnosen und mehr Zeit für echte Medizin. Und begonnen haben wir hiermit in der Pathologie.

Welches Problem wollt ihr mit elea lösen?

In den meisten Bereichen des Gesundheitswesens herrscht digitaler Stillstand. Fachpersonal arbeitet mit veralteter Software, die nicht zu den komplexen Anforderungen moderner Medizin passt. Gleichzeitig fehlen überall Fachkräfte und ein hoher Anteil der Arbeitszeit fällt auf Dokumentation anstatt auf die medizinische Versorgung.
Mit elea machen erleichtern wir die alltägliche Abläufe und die Dokumentation, sodass den Fachkräften im Gesundheitswesen wieder mehr Zeit für das Wesentlich in ihrem Beruf bleibt: die Patient:innen.

Wie würdest du deiner Großmutter elea erklären ?

Stell dir vor, du bist Ärztin und hast den Beruf natürlich gewählt, um mit Menschen zu arbeiten. Allerdings wird dir dies zunehmend erschwert, weil die Dokumentationslast steigt und in der immer komplizierter werdenden Welt die Computerprogramme nicht mehr das abbilden, was du in deinem Alltag brauchst, um rasch zu arbeiten. Wir haben mit elea Firma gegründet, die Software für das Gesundheitswesen entwickelt. Diese Software hört Ärzt:innen und Patient:innen über eine Diktatfunktion nicht nur zu, sondern versteht auch die Inhalte und die medizinischen Abläufe. Dadurch können wir mit moderner Technologie unter Verwendung einer tief in der Software verankerten künstlichen Intelligenz den Alltag mit Dokumentation und der Einhaltung notwendiger Abläufe unterstützen und erleichtern.

Wie funktioniert euer Geschäftsmodell ?

Wir arbeiten als SaaS-Plattform. Kliniken und Pathologie-Institute lizenzieren elea je nach Bedarf. Wir bieten verschiedene Module an. Für Pathologie und für klinische Bereiche zur automatisierten Dokumentation von Anamnesen, Visiten, Untersuchungen und vielem mehr. Unser Fokus liegt auf kontinuierlicher Verbesserung, enger Zusammenarbeit mit den Nutzer:innen und schneller Umsetzung neuer Features in einem mobilen, intuitiv zu nutzenden und sicheren System.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Wir hatten anfangs die Hoffnung, gute Technologie reicht aus. Aber: Kliniken und Pathologie-Institute sind keine Startups. Prozesse sind langsam, IT-Landschaften fragmentiert und das Personal in seinen Ansichten zu modernen digitalen Lösungen oft ambivalent.

Was habt ihr daraus gelernt ?

Die Bereitstellung der Technologie reicht somit nicht aus. Wir müssen unsere Kunden ein großes Stück weit durch die Transformation begleiten – mehr als wir ursprünglich dachten.

Und wo habt ihr bisher alles richtig gemacht ?

Ich bin froh sagen zu können, dass wir bis heute sehr viel richtig gemacht haben. Vor allem haben wir den Faktor Zeit als wichtige Währung erkannt und von Anfang an auf Struktur gesetzt – nicht nur in unserer Software, sondern auch im Team.

Was ist euer nächstes großes Ziel ?

Wir sind gerade dabei, mit unserer Lösung für die Pathologie in den US-Markt zu expandieren. Gleichzeitig entwickeln wir ein neues Produkt für klinische Abteilungen – ein Bereich mit enormem Bedarf an moderner, KI-gestützter Software.

Vielleicht noch ein paar persönliche Fragen – Stell dir vor, du würdest heute nochmal ganz von vorn starten. Was würdest du anders machen?

Ich würde früher loslegen. Nicht zu lange warten. Einfach machen. Dann wären wir sicher 2-3 Jahre früher an den Start gegangen.

Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem du entschieden hast: Ich gründe ein Unternehmen!? Was war der Auslöser?

Ich habe ja nicht allein gegründet, sondern gemeinsam mit drei tollen Kollegen und Freunden. Aus einem Gespräch bei gutem Glas Wein wurde die mutige Idee, die Vision einfach mal konkret zu verfolgen und nach ersten Wochen des Austauschs wurde klar: wir können etwas großartiges gemeinsam gestalten. Ein bewusstes „ja“ zu unserer Vision war der Startschuss zur Gründung – und für mich persönlich zum Ausstiegt aus der patientennahen Medizin.

Jede Gründung bringt Herausforderungen. Was war deine größte bisher – und wie hast du sie gelöst?

Die Umstellung vom angestellten Arzt zum Unternehmer. Es ist auch privat nicht zu unterschätzen, wenn man Ende 40 ist, eine Familie hat und quasi nochmal von vorn beginnt. Aber man gewöhnt sich mit der Zeit daran.

Welche Entscheidung hat sich im Nachhinein als goldrichtig herausgestellt?

Uns mit dem ersten Modul auf die Pathologie zu konzentrieren, obwohl es zu Beginn gar nicht in unserem Fokus war. Aus vielerlei Gründen, sowohl technisch als auch hinsichtlich der Unternehmensentwicklung, war es richtig, sich hier anzupassen und Chance zu nutzen, die sich mit der Zeit gegeben haben.

Was war der beste Ratschlag, den du je bekommen hast – und von wem?

Es war weniger ein Ratschlag als eine Aussage, die mich sehr früh dazu brachte, Dinge anzugehen anstatt mich darüber zu beschweren oder in Selbstmitleid zu versinken. Ich erzählte wenige Wochen nach Antritt meiner ersten Chefarztstelle meinem Mentor und Freund am Telefon alle „schlimmen“ und „schrecklichen“ Dinge, die mir in diesen ersten Wochen in neuer Verantwortung passiert waren und versuchte klarzumachen, dass ich auch wirklich viel Pech bei diesem Start und unverschuldeten Missständen in meinem Umfeld gehabt haben muss. Seine Antwort war ein Lächeln und die kurze, knappe aber auch klare Aussage: „Sebastian, das hört nie wieder auf“. Und so ist es. Es hört nie wieder auf – und gehört dazu.

Welchen Rat würdest du anderen Gründer:innen mit auf den Weg geben – besonders jenen, die noch zögern?

Warte nicht, bis es ruhiger wird und die Idee ausgereift ist – oder das Produkt.
Warte nicht, bis es ruhiger wird und die Idee ausgereift ist.
Warte nicht, bis es ruhiger wird.
Warte nicht.

Was ist eine harte Wahrheit über Unternehmertum, über die zu wenig gesprochen wird?

Es ist ein Marathon, kein Sprint – auch wenn du manchmal so schnell und intensiv unterwegs bist, dass sich niemand darüber wundern darf, wenn es mal verwechselt wird.

Welche Bücher, Podcasts oder Menschen inspirieren dich – und warum?

Mich inspirieren Menschen, die in der Lage sind schnell und tief in Themen und Dialoge einzutauchen und diese mit echtem Interesse und großem Verstand zu durchdringen.

Was war für dich ein echter „Gamechanger“ – ob Tool, Team oder Mindset?

In einer dramatischen Situation als Arzt in der Notfallversorgung habe ich vor vielen Jahren erstmalig einzelne Teams gleichzeitg koordiniert und dafür Sorge getragen, dass die Kommunikation stimmt und alle haben, was sie brauchen, um ihre Arbeit zu tun. Das Ergebnis war beeindruckend. Damals habe ich zum ersten Mal gespürt, dass es genau darum in der Führungsrolle geht: Profis um sich herum scharen, die wissen was sie tun, ihnen geben, was sie brauchen, sie koordinieren und für eine gute Kommunikation sorgen – und schließlich nicht im Weg stehen. Es war unglaublich, welche Effizienz hierdurch erzielt werden konnte. Das so direkt gesehen und gespürt zu haben, beeindruckt mich bis heute.

Was bedeutet für dich Erfolg – ganz persönlich?

Wenn beruflicher Fortschritt, persönliche Zufriedenheit und echtes Glück nicht im Widerspruch, sondern im Gleichgewicht stehen, dann fühlt sich das für mich nach echtem Erfolg an.

Wenn du anderen Gründern oder Unternehmer:innen in Berlin und Umgebung eine Botschaft mitgeben könntest – welche wäre das?

Hürden sind Chancen, keine Hindernisse. Und genau so sollte man damit auch umgehen.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns so offen zu sprechen.

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