Cabin Experience – die Plattform rund um Tiny Houses

Hallo Charles, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Bitte stelle uns zu Beginn Euer Startup bei Cabin Experience kurz vor:

Cabin Experience richtet sich an Tiny House-Besitzer, die Cabins als Ferienhaus nutzen wollen. Wir unterstützen sie bei ihrer Suche nach dem passenden Modell, und helfen ihnen ein schönes Naturgrundstück für ihre Cabin zu finden, falls sie es brauchen. Wir verbinden sie dazu mit Landeigentümern, bei wem sie ihre Cabin aufstellen können. Über unsere Plattform können sie auch ihr Tiny House an andere vermieten, wenn sie es selbst nicht nutzen. Die Mieteinnahmen teilen wir dann zwischen ihnen und dem Landeigentümer auf. Dadurch erhält der Cabin-Besitzer eine Rendite und der Landeigentümer ein Einkommen.

Welches Problem wollt Ihr mit Cabin Experience lösen ?

Corona wird unsere Art und Weise zu reisen nachhaltig beeinflussen. Immer mehr Stadtbewohner sind auf der Suche nach neuen Unterkunftsoptionen, um ein paar Tage in der Natur unweit ihres Wohnorts zu verbringen.

Cabins sind dafür die ideale Lösung:

  • sie sind ökologisch: sie sind aus natürlichen Materialien gebaut und haben einen niedrigen Energieverbrauch;
  • sie sind nicht ortsgebunden: sie können auf einem Grundstück aufgestellt werden und später woanders transportiert worden;
  • mit ihrem minimalistischen Design bieten sie optimale Bedingungen, um abzuschalten und mit der Natur in Einklang zu kommen.

Zusätzlich zu unserem breiten Cabin-Angebot lösen wir eines der wichtigsten Probleme von potenziellen Tiny House Erwerbern: das Fehlen eines Grundstücks. Durch unser innovatives Sharing-Konzept bieten wir ihnen die Möglichkeit an, ihre Cabin in einem schönen Naturumfeld zu genießen und, zusammen mit dem Landeigentümer, der ihre Cabin hostet, dazu zu verdienen.

Wie ist die Idee zu Cabin Experience entstanden ?

Mein Mitgründer Javier und ich sind beide große Naturliebhaber. Ich selbst bin in der Stadt aufgewachsen, habe aber diesen besonderen Kontakt zur Natur schon immer gehabt. Noch heute gehe ich regelmäßig im Wald spazieren und fahre mit meinem Fahrrad durch Brandenburg, um Energie zu tanken.

Unsere vielen Reisen haben uns auch beide auf die Vorteile des nachhaltigen Tourismus aufmerksam gemacht. Als Javier mir Anfang 2019 zum ersten Mal von „Tiny Houses“ erzählte, erkannten wir sofort das Potenzial, das diese neue Form von Unterkunft sowohl für Ferienhaus-Suchende als auch für ländliche Gebiete bieten kann.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Cabin Experience erklären ?

Ich habe unsere Geschäftsidee meiner Großmutter in Frankreich eigentlich schon gepitcht, da sie die ideale Gastgeberin für Cabins wäre! Sie lebt mit meinem Großvater auf einem mittelalterlichen Bauernhof an einem wunderschönen abgelegenen Ort in Burgund, umgeben von nur Wald und Feldern.

Ich habe ihr Cabin Experience so erklärt. Du stellst einen Teil deines Grundstücks Eigentümern von Minihäusern zur Verfügung, und wenn diese ihre Cabin an Reisende vermieten, bekommst du einen Teil der Mieteinnahmen. Die gesamte Logistik übernimmt Cabin Experience.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?


Unser ursprünglicher Plan war es, unsere eigenen Cabins produzieren zu lassen. Wir haben allerdings sehr schnell festgestellt, dass es bereits viele Tiny House Hersteller mit einer Vielzahl von Cabin-Modellen auf dem Markt gibt. Auf der anderen Seite wissen nur wenige interessierte Tiny House Erwerber, an wen sie sich wenden können, um eine Cabin zu kaufen, die ihren spezifischen Suchkriterien entspricht. Und viele von ihnen fehlt es auch das Grundstück, wo sie ihre Cabin aufstellen können.

Aus diesen Erkenntnissen ist unser Plattform-Konzept letztendlich entstanden.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Unser Geschäftsmodell basiert auf Partnerschaften. Durch unser Netzwerk von Cabin-Herstellern helfen wir potenziellen Tiny House Käufern aus ganz Europa, das passende Cabin-Modell zu finden. Wenn unsere Vermittlung erfolgreich ist, erhalten wir vom Hersteller eine Provision auf den Verkaufspreis.

Wir verdienen auch Geld mit unserem Sharing-Konzept: wir behalten einen kleinen Teil der Mieteinnahmen, die bei der Vermietung von Cabins über unsere Plattform erzielt werden. Der Rest wird zwischen dem Cabin-Besitzer und dem Landeigentümer aufgeteilt.

Wie genau hat sich Cabin Experience seit der Gründung entwickelt ?

Kurz nachdem wir mit Cabin Experience offiziell begonnen haben, nahmen wir im September 2019 am „Make It Lean Contest“ in Berlin teil. Mit unserem Konzept konnten wir mehr als 4,000 Unterstützer online überzeugen und dadurch den ersten Preis gewinnen.

Wir sind daraufhin im Startup Incubator Berlin aufgenommen worden und haben unser Geschäftsmodell weiterentwickelt. Wir verfügen jetzt über ein Netzwerk von 15 Partner-Herstellern und können dadurch die Anfragen bearbeiten, die wir mittlerweile täglich von potenziellen Tiny House Käufern in Deutschland und in Nachbarländern erhalten.

Viele Landeigentümer haben auch Interesse an unserem Sharing-Konzept bekundet. Wir haben mit ihnen ausgetauscht und die rechtliche und technische Machbarkeit der Installation von Tiny Houses auf ihren Grundstücken geprüft. Mehrere Pilotprojekte sind nun in Vorbereitung.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

Unser Team besteht aktuell aus fünf Mitgliedern. Wir verlassen uns auch auf externe Partner, um unser Geschäft in bestimmten Bereichen weiterzuentwickeln.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Die Absage der ITB und des Berlin Travel Festivals im März 2020 infolge der Verbreitung des Coronavirus war für uns ein Rückschlag. Wir hatten durch einen Wettbewerb einen Stand auf der Messe gewonnen und sollten auch unser Plattform-Konzept auf der Bühne vorstellen.

Das Lockdown war auch zu Beginn eine Herausforderung für uns, um weiterhin als Team zusammenzuarbeiten und unsere neuen Mitarbeiter zu integrieren. Wir haben uns allerdings schnell an der neuen Situation angepasst und die Corona-Zeit auch dazu genutzt, unser Netzwerk von Cabin-Herstellern und Landeigentümern auszuweiten. Wenn physische Kontakte nicht mehr möglich sind, kann man zum Glück über Emails, soziale Medien sowie WhatsApp-, Zoom- und Skype-Gespräche eine Menge erreichen!

Das Berlin Travel Festival wird schließlich im Oktober 2020 stattfinden. Wir stehen damit wieder in den Startlöchern und freuen uns schon, unsere neuesten Services einem internationalen Publikum von Naturliebhabern und Reisenden präsentieren zu dürfen.

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Dass man aus Krisenzeiten das Beste machen kann. Das klingt ja selbstverständlich, aber wir haben es wirklich so erlebt! Kurz vor Corona haben wir in zu viele verschiedene Richtungen gearbeitet, und es war manchmal schwierig auf Kurs zu bleiben. Mit der Sanitärkrise haben wir Zeit gefunden, Abstand zu nehmen und uns auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Unser Motto heißt „Probieren und Lernen“. Dadurch konnten wir viele Herausforderungen bewältigen und unsere Annahmen immer wieder neu testen. Genauso wichtig für unseren bisherigen Erfolg war auch das ständige Feedback, das wir von Experten, Partnern, potenziellen Kunden oder einfach Leuten aus unserem Netzwerk erhalten haben. Man kann die beste Idee der Welt haben, aber wenn keiner sie versteht oder sie für zielführend hält, muss man sie überarbeiten oder aufgeben… Daher gilt nur eines, um sein Geschäft zum Erfolg zu bringen: der Austausch mit anderen.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Wir beziehen seit dem 1. Januar 2020 das Berliner Startup Stipendium vom Startup Incubator Berlin. Wir sind auch mit mehreren Business Angels im Gespräch, um uns bei der Entwicklung unseres Unternehmens zu begleiten.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Wir wollen unser Netzwerk von Cabin-Produzenten weiter ausbauen. Unser Mehrwert als Cabin-Vermittler besteht darin, dass wir potenzielle Tiny House Käufer mit Herstellern verbinden, die möglichst in ihrer Region produzieren und über Modelle verfügen, die ihren Wunschvorstellungen entsprechen.

Wir wollen unser Sharing-Konzept auch in den kommenden Wochen mit Pilotprojekten testen. Wir sind dazu mit mehreren Landeigentümern im Gespräch, die geeignete Grundstücke in Brandenburg in naher Entfernung von Berlin besitzen. Wenn diese Pilotprojekte erfolgreich sind, werden wir das Konzept in anderen Bundesländern und im europäischen Ausland einführen. Viele Grundstückbesitzer – in Deutschland, Frankreich, Spanien, Österreich, Polen, Italien, Portugal und der Schweiz – haben uns bereits kontaktiert, und warten schon darauf, Teil unserer Plattform zu werden.

Wir denken auch an Blockchain, um unser Sharing-Konzept weiterzuentwickeln. Was wir vorhaben ist ein Token-basiertes System, das Cabin-Besitzern und Landeigentümern helfen soll, ihre Einnahmen aus der Cabin-Vermietung zu verwalten. Mit jedem neuen Mieteinkommen erhalten sie Punkte, die sie entweder nutzen können, um Aufenthalte in Cabins von anderen Eigentümern in Europa zu reservieren, oder ausbezahlt bekommen.

Vielen Dank für das Interview.

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