Lition Energie – der Energiemarktplatz

Hallo Jolie, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Vielleicht möchtest Du uns Euer Startup Lition Energie, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?

Lition Energie ist ein digitaler Energiemarktplatz der Konsumenten direkt mit Erzeugern regenerativer Energien verbindet. Es wird ausschließlich mit unabhängigen Erzeugern zusammengearbeitet die 100%-igen Ökostrom aus Biogas, Photovoltaik, Wind und Wasserkraft produzieren. Zusätzlich haben wir unsere Produktpalette durch den Verkauf von PV-Anlagen erweitert, um auch verstärkt Prosumern den Zugang zu unserem Marktplatz zu ermöglichen.

Welches Problem wollt Ihr mit Lition lösen ?

Wir möchten unseren Kunden regenerativen Strom einfach, fair, umweltfreundlich und preiswert anbieten. Über unsere digitale Plattform wählen Nutzer ihren bevorzugten Ökostromerzeuger ganz einfach aus, oder werden mit der Lition-Solaranlage direkt selbst zu Erzeugern. Und haben so direkten Zugang zur saubersten und günstigsten Quelle – ganz ohne langwierige vertragliche Bindungen und kostspielige Umwege über die Großkonzerne. Bei Bedarf kann das Wunschkraft flexibel über unser Kundenportal gewechselt werden. Es wird von uns sichergestellt, dass die entsprechende Menge Ökostrom produziert, ins Stromnetz eingespeist und das Kraftwerk direkt in dieser Höhe vergütet wird.

Wie ist die Idee zu Lition entstanden ?

Dr. Richard Lohwasser und Dr. Kyung-Hun Ha haben sich erstmal umgeschaut, bevor sie Lition gegründet haben. Beide waren mehrere Jahre bei großen Unternehmen wie Vattenfall, ExtraEnergie und McKinsey tätig, um wichtige Erfahrungen zu sammeln – und um die entscheidenden Schwachstellen auszuloten: die meisten Energieanbieter arbeiten ineffizient und intransparent, sind zu teuer und bieten schlechten Service. Da sie bei den Energieriesen nichts verändern konnten bzw. die Prozesse zu langwierig gewesen wären, kamen sie auf die Idee Lition zu gründen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Lition erklären ?

Du kennst doch Harald Schneider, den netten Bauern aus deinem Dorf mit den vielen Kühen ? Der produziert aus dem Mist seiner Kühe jetzt Biogas. Lition ist ein Unternehmen, welches es dir ermöglicht, direkt von Harald Strom zu beziehen. So kannst du deine regionalen Bauern unterstützen und dir wird garantiert, dass du 100% erneuerbaren Strom für dein Zuhause beziehst.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Als wir angefangen haben, war es unser Wunsch Kunden eine Plattform anzubieten, die es ermöglicht, Energie selbst zu produzieren, benötigten Reststrom zu beziehen und überschüssigen Strom an die Community zu verkaufen. Unser Konzept hat sich nicht verändert, aber es war ein langer Prozess, bis wir Kunden dieses Gesamtpaket anbieten konnten.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Lition ist ein Berliner Energieversorgungs-Startup, das mit seiner Blockchainbasierten Technologie Stromkunden (B2C) die Möglichkeit gibt, direkt bei einem grünen Stromerzeuger ihrer Wahl Strom zu beziehen. Unser Strom gehört zu den günstigsten Anbietern im Markt. Kunden sparen etwa 20% ihrer Stromkosten. Die angeschlossenen grünen Kraftwerke erhalten bis zu 30% höhere Erträge für ihren gelieferten Strom. Wir bieten White Label Lösungen für unsere Vertriebspartner an, wodurch sie ihre eigenen Stromtarife anbieten können. Des Weiteren arbeiten wir mit unseren Handwerkspartnern zusammen, um unseren Kunden das Rundumpaket Solar anzubieten. Sie erhalten hochwertige Module für ihre Solaranlage auf dem Dach und können Teil der Lition Solar-Community werden. Zusätzlich zur Einspeisevergütung können unsere Kunden damit Geld verdienen, indem sie ihren überschüssigen Solarstrom ganz einfach an die Community, automatisch und virtuell verkaufen.

Wie genau hat sich Lition seit der Gründung entwickelt ?

Als wir alle Genehmigungen eingeholt hatten und uns damit anerkannter Energieversorger nennen durften, haben wir angefangen unsere Blockchain auszubauen. Diese hat sichere Transaktionen direkt zwischen Ökostrom-Kunden und -Erzeugern ermöglicht. Jeder Kunde und jeder Erzeuger kann mit Hilfe der bereitgestellten Blockchain einfach Transaktionen über das Lition Kundenportal durchführen und nachverfolgen. Anschließend konnten wir uns mehr auf den Marktplatz fokussieren, neue Erzeuger dazu gewinnen und unseren Vertrieb ausweiten. Mitte 2020 haben wir unser Solarangebot gelauncht. Damit können wir unseren Kunden nun ein Rundumpaket anbieten und machen sie zu echten Prosumern.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

Unser Team ist seit unserer Gründung durchgängig gewachsen. Aktuell sind wir insgesamt 22 Kollegen. Unser Hauptsitz ist am Kudamm, in Berlin. Im Oktober 2020 haben wir unseren eigenen Service Standort in Chemnitz eröffnet mit 7 Mitarbeitern, um die Beratungsqualität für unsere Kunden weiter zu erhöhen. Wir sind sehr stolz bereits über 10.000 Kunden für Lition begeistert zu haben. Jeder unserer Kunden generiert einen durchschnittlichen Umsatz von über 1.000€.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Die größte Herausforderung war es Strom zu verkaufen. Es ist eben kein spannendes Produkt welches Menschen begeistert. Die meisten verbinden ihre Stromverträge mit komplizierten und langwierigen Prozessen, weshalb sie ungerne ihren Lieferanten wechseln. Unseren ersten Vertrag haben wir im April 2018 geschlossen. Danach hat es über ein Jahr gedauert, bis wir mehr als 100 Kunden im Monat dazugewinnen konnten. Des Weiteren hat es über ein Jahr gedauert, bis wir unsere Blockchain stabilisieren konnten und uns auf einen passenden Consensus Mechanismus geeinigt hatten.

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Es hat geholfen unsere Stromtarife weit zu verbreiten und die White Label Produkte miteinzuführen. Verschiedene Vertriebskanäle gewährleisten, dass Kunden an unterschiedlichen Berührungspunkten auf Lition aufmerksam gemacht werden. Unsere Blockchain enthält mittlerweile sehr stabile Mechanismen, wodurch sie uns ermöglicht, die Transaktionen zwischen Ökostrom-Kunden und -Erzeugern vertrauenswürdig, sicher und transparent abzuwickeln.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Unsere frühe Entscheidung ein grünes und digitales Unternehmen zu gründen. Weltweit entwickelt der Markt sich weiter und Endkunden erwarten nachhaltige und innovative Produkte und Dienstleistungen. Obwohl Strom schwer zu verkaufen ist, erleichtern wir den gesamten Lieferantenwechsel für unsere Kunden erheblich durch die digitale Komponente. Wir bieten regionalen und grünen Strom an, wofür die Nachfrage immer weiter steigt.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Aktuell befinden sich 100% der Unternehmensanteile in Gründerhand. Durch unsere letzte „Family and Friends“ Finanzierungsrunde haben wir 1 Mio. Euro eingenommen. Des Weiteren haben wir insgesamt durch ProFIT- und den CoronaKfW- Kredit eine Förderung bzw. ein Darlehen in Höhe von 1,5 Mio. Euro aufgenommen.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Unser Ziel ist es weiter zu wachsen und neue Kunden für den Energiemarktplatz sowie für den Kauf von PV-Anlagen zu gewinnen. Wir pflegen bereits erfolgreiche Partnerschaften mit Unternehmen wie Microsoft und PowerCloud. Wir werden in den nächsten Monaten unsere White Label Produkte (aktuell z.B. Sparwelt) und Partner Applikationen (wie z.B. bei N26) weiter ausbauen und uns für neue Kooperationen mit Unternehmen entscheiden, die ebenso gute Energie verbreiten wie wir. Weiterhin soll unser Produktportfolio sinnvoll ergänzt werden. Geplant ist die Einführung eines Mietmodells für PV-Anlagen, CO2-Offset für Gastarife und Ladestrom-Tarife für Elektroautos.

Vielen Dank für das Interview.

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