memoresa regelt den Nachlass digital

Hallo Jörg, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Deinen Mitgründer bei memoresa kurz vor:

Hi! Steffen ist unser IT Genie, gelernter Wirtschaftsinformatiker und seit über 20 Jahren in der IT Branche unterwegs, und ich habe mal in einer Bank gelernt, lange als Unternehmensberater gearbeitet und bin mittlerweile seit 7 Jahren in verschiedenen StartUps unterwegs.

Vielleicht möchtest Du uns Euer Startup, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?

Wir sind im September 2019 gestartet und arbeiten mittlerweile mit einem Team von mehr als 20 Leuten, teilweise Angestellte, teilweise Freelancer. Steffen und ich sind auch vom Alter her die Senioren, das Team hat einen Altersschnitt von ca. 30 Jahren.

Welches Problem wollt Ihr mit memoresa lösen ?

Wir sind am Start angetreten, den digitalen Nachlass rechtssicher und DSGVO konform regeln zu können. Während wir die Plattform aufgebaut haben, ist uns aufgefallen, dass jeder, der im Sinne seiner Hinterbliebenen sich um seine Dokumente und Accounts kümmert, gleichzeitig auch digitale Ordnung in seinem eigenen Leben schafft. So haben wir den Focus erweitert, und man kann nicht nur z.B. Vorsorgevollmachten hochladen und seinen Bevollmächtigten freigeben sondern z.B. auf den Handyvertrag hinterlegen und direkt mit einer terminierten Kündigung versehen, wenn man wechseln möchte. Ganz wichtig ist aber unser Focus: Wir wollen nicht die 25. Vergleichsplattform sein, die seinen Kundinnen und Kunden zu jeder Gelegenheit neue Verträge anbietet, sondern wir verstehen uns als reine Verwahrer der Dokumente, für die dann jeder individuell Regelungen bestimmen kann, wenn er möchte.

Wie ist die Idee zu memoresa entstanden ?

Steffen hatte vor einigen Jahren einen Fahrradunfall, und nachdem er nach längerer Zeit auf der Intensivstation und in der Reha wieder aufs Rad steigen wollte, hielt ihn seine Frau zurück und forderte ihn auf, dass er zuerst eine Auflistung aller Verträge, Konten und sonstiger Sachen bis hin zur Anleitung für das Smart Home System fertig machen solle, falls so etwas noch einmal passiert und eventuell schlimmer endet. Als ITler suchte er natürlich sofort im Internet nach einer smarten Lösung, aber die gab es nicht. Und Excel und USB Stick waren für ihn keine echte Lösung, gerade bei einem USB Stick würde es spannend werden, wenn man den in 20 Jahren oder mehr auslesen wollen würde (oder wer hat heute noch 5 ¼ Floppy Laufwerke?). Mit dieser Geschichte kam er vor ungefähr zwei Jahren auf mich zu, und ich war sofort an die Zeit erinnert, als ich Vormund für meinen Großvater war, der zu dieser Zeit 800 km entfernt von mir wohnte. Es war jedes mal ein riesen Problem, meine Vollmacht den Ärzten, Krankenhaus oder Pflegeheimen zu präsentieren. So beschlossen wir, uns gemeinsam an die Lösung des Problems zu begeben.

Wie würdest Du Deiner Großmutter memoresa erklären ?

Hier kannst du jetzt schon dafür sorgen, dass deine Kinder nach deinem Ableben nicht all deine Sachen durchwühlen müssen, um wirklich alle Verträge zu finden und dann auch kündigen zu können. Und wenn du bis dahin mal in eine schlimme Lage kommst, kannst du deinen Kindern die Dokumente wie Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung oder Betreungsvollmacht auch schon freigeben, damit sie für dich alles in deinem Sinne regeln können.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Wie oben schon beschrieben sind wir mittlerweile auch in den Bereich digitale Ordnung im hier und jetzt eingestiegen. Dazu führen wir auch mittlerweile viele Gespräche mit Unternehmen, die die unterschiedlichsten Schnittpunkte mit uns haben. So hat aufgrund der DSGVO mittlerweile fast jeder Versicherer oder Versorger ein eigenes Kundenportal, um den Kunden und Kundinnen die Dokumente übermitteln zu können. Die Kunden sind aber auf der anderen Seite davon genervt, 25 Portalzugänge bei 28 Unternehmen zu haben. So arbeiten wir daran, dass alles bei memoresa hinterlegt werden kann, ein Login, ein Ort, an dem ich nachsehen muss.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Wir haben drei verschiedene Preismodelle, für Einsteiger oder zum ausprobieren gibt es das Freemium Modell, wo ich bis zu 10 Dokumente hinterlegen kann. Als nächstes kommt das Komfort Paket, 100 Dokumente, 100 GB Speicher und knapp 10 Euro pro Jahr. Darüber hinaus bieten wir noch das Premium Paket, Dokumente unlimited, 1 TB Speicher und knapp 50 Euro im Jahr. Hier kann ich mich auch für eine Life Time Variante entscheiden und zahle dann einmalig 999,– Euro

Wie genau hat sich memoresa seit der Gründung entwickelt ?

Steffen und ich haben zu zweit angefangen, inzwischen arbeiten wir in einem tollen, großen Team, haben ein klasse Produkt und endlos viele Ideen, die aus uns heraus sprudeln, die aber auch von außen an uns herangetragen werden, was wir noch alles machen können, um eine noch einfachere Nutzerführung und noch größeren Mehrwehrt für unsere Nutzerinnen und Nutzer zu haben.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Zwei Sachen sind mir wirklich nahe gegangen: Eine unserer Werkstudentinnen, die wirklich brillante Arbeit geleistet hat, hat uns von einem Tag auf den anderen verlassen. Nicht, weil sie keinen Spaß mehr bei uns hatte, sondern weil sie das Thema so sehr gefesselt hat, dass sie Angst hatte, ihr Studium zu vernachlässigen. Daraus könne wir nichts lernen, wir wollen unser Team auch weiter so begeistern, aber es war ein harter Schlag. Und dann hat uns einen Tag der finalen Runde ein Investor abgesagt, obwohl ihm die Zahlen, Daten und Fakten bereits seit 6 Wochen vorlagen. So was trifft  mich in meiner hanseatischen Kaufmannsehre, und ich nehme mit, in Zukunft immer mindestens drei Eisen im Feuer zu haben!

Wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Wir fühlen uns bei der Konstruktion unserer Plattform sehr wohl, wir haben z.B. von der ersten Codezeile an unsere Datenschutzanwältin mit eingebunden. Im Oktober waren wir dann auf der Datenschutzkonferenz des TÜV Rheinland als Referenten eingeladen, und vor der versammelten Datenschutzkompetenz der Republik die Lösungen eines jungen Startups auf den Prüfstand zu legen ist schon spannend. Aber wir haben die Feuerprobe bestanden und auch zur nächsten Konferenz gleich wieder eingeladen. Und mit unserem Team haben wir auch ein super Gefühl, so viele so unterschiedliche Menschen, und es macht riesen Spaß!

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Geld der Gründer, ESF Förderung, Förderung BAFA, Stadt Leipzig, Acelerator Programme im SpinLab, bei Data Market Services und dem Startup.Innolab und ein Angel Investment

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Investment Runde, Etablierung von B2B Partnern und Umsetzung von vielen Ideen auf der Plattform!

Vielen Dank für das Interview.

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