SPRK.global – verfolgt das Ziel, Lebensmittelüberschüsse umzuverteilen und die Lebensmittelverschwendung zu beseitigen

Hallo Alex, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei SPRK.global kurz vor:

Sehr gerne, ich bin Alex Piutti, Gründer und Geschäftsführer von SPRK. Von Haus aus bin ich studierter Elektrotechniker, Fachrichtung Automatisierung. Bevor ich mich dem Thema Impact gewidmet habe, habe ich verschiedene Technologieunternehmen gegründet oder mit aufgebaut, darunter Global Venture Partners, Overture (verkauft an Yahoo! für $1,6 Mrd.), GameGenetics, Sirplus oder Rehago. Eine Krebs-Fehldiagnose und die Geburt meiner ersten Tochter gaben mir den Anstoß dazu, mich dem Thema Impact stärker zuzuwenden. Die Idee von SPRK war geboren und verfestigte sich über die Jahre. 2020 kam es dann zur offiziellen Gründung. Heute sind wir bei SPRK ein 15-köpfiges Team und wir wachsen weiter.

GSP/O next stage, GSP Together next stage, Delegiertenkonferenz 2016, September (Fotograf: Jan Potente, 01782133550)

Vielleicht möchtest Du uns Euer Startup, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?

Mit SPRK möchten wir Lebensmittelüberschüsse, die entlang der Lieferkette häufig in der Tonne landen, im ersten Schritt sowohl umverteilen als auch zu neuen Produkten verarbeiten. Die Distribution ist dabei ein Zwischenschritt auf dem Weg zum eigentlichen Ziel: Langfristig wollen wir die Lebensmittelproduktion auf ein ausgewogenes Niveau herunterfahren. Dabei richten wir uns gezielt an die Teilnehmer am Anfang und in der Mitte der Lieferkette.

Kern unseres Ansatzes ist eine Distributionstechnologie unter Verwendung von künstlicher Intelligenz. Die Plattform vernetzt die Teilnehmer der Lieferkette – sprich Produzenten, Groß- und Einzelhändler auf der einen Seite sowie gemeinnützige und kommerzielle Abnehmer auf der anderen Seite. Über die Technologie werden Angebot und Nachfrage quasi in Echtzeit verknüpft. Mit der Zeit erkennt die künstliche Intelligenz Muster, sodass langfristig Lebensmittelüberschüsse verringert werden können.

Welches Problem wollt Ihr mit SPRK lösen ?

Weltweit werden jährlich 1,6 Milliarden Tonnen an Lebensmitteln vergeudet, 12 Millionen Tonnen davon allein in Deutschland. Dabei werden nicht nur bestens genießbare Lebensmittel entsorgt, auch werden wertvolle Ressourcen wie Wasser, Land und Energie verschwendet und dadurch enorme Mengen an CO2-Emissionen unnötig verursacht. Hier setzen wir an: Die Umverteilung bzw. Weiterverarbeitung hat direkten Einfluss auf den Klimaschutz. Vermeiden wir, dass Millionen von Tonnen an Lebensmitteln verschwendet werden, sparen wir zugleich Millionen von Tonnen an unnötigen CO2 Emissionen ein. In zehn Jahren möchte SPRK die Lebensmittelüberschüsse um fünf bis sechs Millionen Tonnen pro Jahr reduzieren. Für Deutschland würde das aktuell eine Reduzierung von etwa 50 Prozent bedeuten. Das ehrgeizige Ziel hat eine große Wirkung auf das Klima. Mit jedem Kilogramm Lebensmittel, welches nicht verschwendet wird, werden im Schnitt 2,5 Kilogramm unnötige CO2-Äquivalente vermieden. Bei fünf bis sechs Millionen Tonnen eingesparter Lebensmittelüberschüsse ergibt sich eine Reduzierung von zehn bis 15 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Es gibt wenige klimarelevante Lösungen mit einem vergleichbaren Potenzial.

Wie ist die Idee zu SPRK entstanden ?

Das war eigentlich eher ein Zufall. Als mir klar wurde, ich möchte meine Kompetenz und Kraft in ein Impact-Unternehmen stecken, wusste ich noch nicht, dass es im Bereich Lebensmittel-Kreislauf und Klimaschutz sein wird. Durch viele Gespräche in meinem Netzwerk habe ich erkannt, dass es bislang keinen Sekundärmarkt für überschüssige Lebensmittel gibt. Eigentlich ein Unding. Über die Jahre bin ich immer tiefer in die Branche eingetaucht, habe viel gelernt und dabei erkannt: Der Schlüssel zur Lösung des Problems liegt in Technologie und – ganz wichtig – starken Partnerschaften mit der Lieferkette. Denn nur wenn wir alle an einem Strang ziehen und der Funke (SPRK) unserer Bewegung (global) überspringt, können wir Großes erreichen. Ich bin fest davon überzeugt, dass uns das gelingen wird. Seit der Gründung konnten wir allein im Berliner Umfeld bereits 100 Mio. Tonnen wertvoller Lebensmittel an gemeinnützige Organisationen wie die Arche Kinderstiftung oder SOS-Kinderdorf Berlin umverteilen. Auch sind die ersten Produkte der SRPR.manufactory bald im Regal zu sehen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter SPRK erklären ?

Im Grunde setzen wir wieder bei etwas an, was in der Generation meiner Großmutter eine Selbstverständlichkeit war: Die Wertschätzung für Lebensmittel und Ressourcen. Es geht darum, dass wir wieder bei einer bedarfsgerechten Versorgung angelangen und einem klima- und naturfreundlichem Umgang mit Lebensmitteln.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Wir sehen in unserem Konzept heute sogar noch mehr Potenzial als zu Beginn. Das erlaubt uns, größer zu denken als angenommen. So traurig es auch gerade ist: Die Covid-19-Pandemie hat uns sogar in die Hände gespielt. Bedingt durch den plötzlichen Lockdown im März 2020 haben viele Hotels, Catering-Services und Restaurants Massen an Lebensmitteln aus den Lagern der Großhändler nicht mehr abgerufen. Diese Chance haben wir ergriffen und kurzerhand mit verschiedenen Partnern in Berlin aus dem Problem eine Lösung gemacht. So konnten wir Tonnen an Lebensmitteln schnell umverteilen und die Lager so leer bekommen. Optimahl-Catering ist seit Beginn als Partner an unserer Seite und hat freie Kapazitäten sowie seine Logistik dafür genutzt, um uns zu unterstützen. So konnten wir in kurzer Zeit ein Berlin-weites Netzwerk aufbauen und zeigen: es geht. Damit wird auch vorstellbar, dass es im großen Stil funktionieren kann. Dafür treten wir an.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Produzenten und vor allem Händler, die sich uns anschließen und uns ihre überschüssigen Lebensmittel zur Verfügung stellen, sparen enorme Entsorgungskosten ein. Ebenso fallen auch signifikante Personalkosten beim ‘Handling’ von Lebensmittelüberschüssen weg, da wir nahtlos übernehmen. Für eine im Vergleich dazu geringe Servicegebühr verteilen wir zukünftig die Lebensmittel um. Ein weiteres Standbein sind die von uns zubereiteten Produkte: zum Beispiel Ketchup oder Tomatensuppe aus überschüssigen Tomaten oder Schokoeis aus überschüssiger Milch und Schokoladen-Weihnachtsmännern. Ab Frühjahr 2021 werden erste ausgewählte SPRK-Produkte aus der SPRK.manufactory auch in den Regalen zu finden sein. Bei der Herstellung werden mindestens 75 Prozent bestens genießbare überschüssige Lebensmittel verwendet, je nach Rezeptur.

Wie genau hat sich SPRK seit der Gründung entwickelt ?

Wir konnten wertvolle Partnerschaften mit Teilnehmern aus der Lieferkette aufbauen und auch unseren Kreis an kommerziellen und gemeinnützigen Abnehmern schnell und stark vergrößern.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

Aktuell sind wir eine 15-köpfige Mannschaft, wir möchten allerdings stark wachsen. So haben wir u. a. Bedarf im Bereich Lieferung & Transport, Technology-Development und Lebensmittelproduktion.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Wir haben gelernt, dass die Mühlen in der Lebensmittelwirtschaft langsamer mahlen als gewünscht. Es dauerte teilweise zwei Jahre zwischen der ersten Kontaktaufnahme bis zu einem Erstgespräch. Es braucht häufig viel Überzeugungsarbeit, um Vertrauen aufzubauen und aufzuzeigen, dass wir keine Luftschlösser bauen, sondern einen konkreten, machbaren und skalierbaren Ansatz mit einer enormen Impact-Wirkung haben. Schiefgegangen ist daher nicht das richtige Wort. Aber es war für mich eine harte Geduldsprobe, um das Potenzial nicht aus den Augen zu verlieren. So habe ich das Venture mehr als zwei Jahre vorfinanziert, was auch zu regelmäßigen Gesprächen mit meiner Frau geführt hat. Insgesamt habe ich mehrere Jahre ohne Gehalt gelebt und gleichzeitig in SPRK investiert. Ich bin daher froh und dankbar, dass SPRK seit 2020 finanziert und auch konzeptionell in einem stabilen Fahrwasser unterwegs ist.

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Fokus, Geduld und Überzeugungskraft sind der Schlüssel zum Erfolg in diesem Bereich. Und: Wir leben unsere Partnerschaften – ohne deren Vertrauen, Unterstützung und Tatkraft wären wir heute nicht da, wo wir bereits nach einem Jahr stehen.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Beim realistischen Träumen. Zunächst einmal klingt die Idee zu schön um wahr zu sein: In zwei bis drei Jahren Berlin Food-Waste-frei machen? Millionen von Tonnen an Foodwaste in den nächsten Jahren international vermeiden? “Niemals” ist der erste Gedanken, den viele haben, wenn wir ins Gespräch kommen und von unserer Vision erzählen.

Wir hatten auch ein wenig Glück: Mit dem innovativen Technologieansatz hat SPRK im Juli 2020 – also gerade mal vier Monate nach Gründung – unter 2.400 internationalen Bewerbern überraschend weltweit den ersten Platz bei der XTC Extreme Tech Challenge (Kategorie „Smart Cities“) belegt, dem größten „Tech For Good”-Wettbewerb für nachhaltige Startups. In der Jury waren einige Schwergewichte wie z.B. Jerry Yang als Yahoo! Gründer. Das hat uns gezeigt, unser Konzept kann global funktionieren. Legen wir also die Logik und Fakten auf den Tisch und zeigen detailliert auf, wie das Konzept greift, dann sehen wir: Es macht Klick beim Gegenüber. Da sind wir wieder bei dem Funken, der eine große Bewegung entfacht. Diese Begeisterung konnten wir auf unsere Partner übertragen. Sonst wären wir in der kurzen Zeit nicht so weit gekommen.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Im Sommer 2020 haben wir einen einstelligen Millionenbetrag eingesammelt. Zu den Investoren gehören u. a. die Toniebox/Boxine-Gründer Marcus Stahl und Patric Fassbender und das Haas Family Office in Österreich mit internationaler Expertise im Bereich Lebensmittelproduktion. Als Business Angels unterstützen u. a. Impact Entrepreneur Christian Vollmann (nebenan.de) und Jens Hewald (Zanox) sowie Fußballprofi Mario Götze und „Tatort“-Schauspieler und Filmproduzent Fahri Yardim. Wir wollen im Sommer 2021 die Series-A abschließen und sind derzeit im aktiven Dialog mit weiteren Investoren.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate?

Wir wollen die Umverteilung im ersten Schritt massiv im Berliner Umfeld ausweiten – Berlin soll in zwei bis drei Jahren Food-Waste-frei sein. Auch werden wir das Angebot unserer SPRK-Produkte aus der SPRK.manufactory hochfahren und arbeiten daran, schon bald unser eigenes SPRK.deli in Berlin eröffnen zu können. Dort sollen dann Mahlzeiten aus umverteilten Lebensmitteln angeboten werden. Drückt uns die Daumen!

Vielen Dank für das Interview.

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