Volker Korrmann von Flower Power im Interview

Hallo Volker, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei Flower Power kurz vor:

Da fangen wir bei der Dame des Teams an. Katrin ist unsere Agrar-Expertin für Bio-Landwirtschaft und kommt ursprünglich aus dem Agrar-Consulting Bereich.

Christian ist unser Solar Experte und hat schon an großen Solaranlagen im Megawatt Bereich sowohl mit geplant als auch gebaut.

Giorgio ist zweiter Geschäftsführer und unser Finanzexperte für die geplanten Projektfinanzierungen.

Ich selbst bin ebenfalls Geschäftsführer, Dipl. Ing. und der Erfinder von Flower Power. Ich befasse mich sowohl mit der Landwirtschaft als auch mit regenerativen Energien.  

Vielleicht möchtest Du uns Euer Startup, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?

Wir machen mit Flower Power solaren Wasserstoff konkurrenzfähig.

Welches Problem wollt Ihr mit Flower Power lösen ?

Uns ist das Thema Klimawandel wichtig. Auch wenn durch Corona die globalen Klimaabkommen praktisch unfreiwillig eingehalten werden, so hat der Klimawandel doch längst richtig Fahrt aufgenommen und es braucht schon wesentlich mehr als nur ein paar hunderttausende weniger Flüge, um den Klimawandel wenigstens ein wenig zu bremsen.

Um unsere globale Mobilität auf regenerative Energien umzustellen brauchen wir bezahlbaren solaren Wasserstoff. Dazu muss man die Stromgestehungskosten unter 1 Cent/kWh senken. Genau das können wir mit Flower Power erreichen.

Das können wir mit günstigen „fast normalen“ Freiland-Solaranlagen erreichen, welche die landwirtschaftliche Produktion in ausgewählten Dürregebieten locker verdreifachen.

Wie ist die Idee zu Flower Power entstanden ?

Bei einem Forschungsprojekt zu neuen Bewässerungstechniken mit dem Institut für Olivenbäume in Tunesien, bin ich auf das Problem mit versalzenen Grundwasser gestoßen. Dadurch ist unser erstes Produkt IrrigationNets entstanden. Durch die Arbeit zu IrrigationNets sind wir dann auch mehrfach von Landwirten gefragt worden, ob wir auch etwas für Ihre Standorte ganz ohne Salzwasser haben. Das zusammen mit meinen Erfahrungen aus dem Sudan haben mich dann zu Flower Power inspiriert.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Flower Power erklären ?

Als ich im Sudan Vorträge zu Bewässerungstechniken gehalten habe, sind mir dort mehrere zentrale Punkte aufgefallen. Die Hirsefelder erstreckten sich bis zum Horizont und weit und breit war kein Baum und Strauch zu sehen. Ein warmer trockenen Wind wehte beständig und durch diesen dauerhaft laufenden Wäschetrockner hatte schon nach wenigen Minuten wieder Durst.

Zudem sieht man neben jeden Feld große ausgetrocknete Flussläufe, wo 90% des Regens ungenutzt abfließen.

Das führt dazu, das nach einer offiziellen Studie der Sudan 16 Mal weniger Hirse pro Hektar produziert, als die Türkei. Was ja auch kein Wunder ist, wenn man 90% seines Regens nicht nutzt und den Rest praktisch dem Wind überlässt.

Deswegen ziehen wir in die Felder alle 20-50 m Blühstreifen ein, wo wir zudem mehrere Senken zum Wasser sammeln einfügen. Sobald es regnet hat man viele kleine Seen, durch die das Wasser dann langsam in das gesamte Feld eindringen kann und im Boden für mehrere Monate gespeichert wird.

Damit in den nachfolgenden Wochen die Sonne jedoch nicht an die tiefen Erdschichten rankommt und das Wasser wieder verdunstet, überschatten wir die Blühstreifen und Senken mit den Solaranlagen, so dass die Senken nicht trocknend wirken können. Zudem sind die Solaranlagen selbst sind schon ein gewisser Windschutz für das ganze Feld, welcher sich durch weitere Büsche oder soft Fruits an der hohen Rückseite der Modulteller weiter verstärken lässt. Somit können wir den Ertrag wir wirtschaftlichen Solaranlagen mind. verdreifachen. Bei einer 50% Beteiligung an der Ertragssteigerung können wir die Einnahmen der Solaranlage mehr als verdoppeln.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Das Konzept hat sich von IrrigationNets, einer Lösung für die Nutzung von versalzenen Grundwasser in der Landwirtschaft und Stromerzeugung, hin zu Agro-PV 3.0 entwickelt.

Unter Agro-Photovoltaik versteht man die Nutzung von Solaranlagen zusammen mit der Landwirtschaft um die Fläche doppelt zu nutzen und die Erträge in der Landwirtschaft zu erhöhen.

Aufgrund der extrem großen Effekte des Wassermanagements, Windschutz und auch der Blühstreifen und somit verbesserten Biodiversität und Insektenschutz, können wir jedoch gerne auf 10-20% der Anbaufläche verzichten und trotzdem den Gesamtertrag massiv steigern. Deswegen können wir mit normalen wirtschaftlichen Untergestellen arbeiten und müssen diese nicht teuer in 3-6 m Höhe anbringen.
Der Blühstreifen sorgt zudem für einen guten Sicherheitsabstand, so dass das Feld gefahrlos mit klassischer Technik weiter bearbeitet werden kann. Diese einfachen Verbesserungen machen diese Lösung zu einem hoch profitablen Investment.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Das ist ganz einfach. Der Farmer hat keinerlei Investitionskosten und bekommt eine Aufwertung seines Feldes. Dafür muss er den Solarinvestor an 50% seiner Verkaufserlöse bei den gesteigerten Erträge beteiligen. Der Solarinvestor hat zwar ca. 5% höhere Kosten, da alle Untergestelle praktisch Außenreihen sind und auch die Leitungskosten aufgrund des höheren Reihenabstand steigen. Dem gegenüber stehen aber ca. 10% Ersparnis wegen einer kostenlosen Nutzung des Landes und weitere Einnahmen durch die Beteiligung an den Agrarerträgen.

Einen Teil seines Stromes sollte er zu einem normalen Preis an ein „local Grid“, also einem Dorf oder eine kleine Stadt verkaufen können. Die restlichen Strom Überschüsse gehen klassisch an ein Kühlhaus sowie eben in eine Wasserstofferzeugung. Auf diese Weise lässt sich dann schon heute wirtschaftlich regenerativer Wasserstoff zu Preisen erzeugen, die sonst nur mit fossilen Wasserstoff erreicht werden.

Wie genau hat sich Flower Power seit der Gründung entwickelt ?

Mit IrrigationNets haben wir rein nebenberuflich und aus privater Tasche die ersten
4 Jahre in ganz ganz ganz kleinen Schritten gearbeitet. Der eigentliche Durchbruch war erst mit Hilfe von FunderNation möglich. Erst durch deren Mut und Weitsicht wurden wir von ersten privaten und einem professionellen Investor wahrgenommen.

Die unglaubliche Hilfe von FunderNation kann man vielleicht an folgenden Beispiel begreifen. Vor FunderNation hatten wir eine glücklicherweise erfolgreiche Kickstarter Spendenaktion von 10.000 Euro. Um diese Spendenaktion zu fördern hatte ich 600 Journalisten angeschrieben und nur einen Artikel platzieren können. Schließlich wollen nicht nur Investoren und Banken fertige Ergebnisse und SICHERHEIT in Form von laufenden Umsätzen, die wir nicht hatten. Auch Journalisten wollen SICHERHEIT und wollen sich nicht mit unbewiesenen Behauptungen auseinandersetzen. Erst nach einer Prüfung und Bewertung durch FunderNation war eine gewisse Sicherheit und schnell prüfbare Qualität gegeben und wir konnten mit über 300 Anschreiben über 10 Artikel platzieren.

Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

Genau davon haben wir ja gerade gesprochen. Alle wollen ernten, aber keiner will Sähen! Erst wenn man keine Investoren mehr braucht würden alle gerne investieren.

Wir haben ein erstes Funding über 240.000 Euro und können endlich starten.
Zudem haben wir jetzt mit der Solemaxx Group ein Joint Venture gegründet um weitere Finanzierungen für Projekte in Deutschland und auch für Afrika aufzusetzen. Wir wurden sogar schon mit in einem Antrag für ein 120 MW Solarkraftwerk für ein Wasserstofferzeugungsprojekt mit aufgenommen. Trotzdem können wir am Anfang nur sehr langsam Personal aufbauen, da genau unsere Projekte und Projektgrößen sehr lange Vorlaufzeit haben.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Am bemerkenswertesten war ein Pitch bei einem Startup Incubator in Berlin, wo am Ende eine 50/50 Gretchenfrage gestellt wurde.

Wo seht Ihr den größeren Impact für Eure Lösung? A) In der Landwirtschaft oder B) bei der Stromerzeugung.

Meine Antwort war „B“, denn auch wenn die Auswirkungen in der Landwirtschaft größer sind, so lassen sich doch diese schwerer belegen, während man die Auswirkungen bei der Stromerzeugung klar messen und quantifizieren kann.

Der Incubator hatte hier „A“ erwartet. Daraufhin war man unten durch und die Antwort wurde auch nicht weiter hinterfragt. Das war schon hart.

Ansonsten gab es noch diverse Problem beim Aufbau, wo man sich selbst einen Urlaubstag nimmt + Reisekosten und dann kommt der Dienstleister unangekündigt dann doch einfach nicht.

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Nie aufgeben!!!

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Ganz eindeutig beim Crowdfunding. Das ist auf gar keinen Fall ein Selbstläufer, sondern jede Menge Vorbereitung und auch während der Aktion noch eine Menge Arbeit. Andererseits ist es die einzige Chance für „nicht Universitäre“ Neugründungen. Aber man muss überhaupt erst einmal bei einer guten Investitionsplattform genommen werden und da wo keine Eingangskontrolle gegeben ist, da braucht man auch gar nicht erst starten.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Bisher nur aus eigener Tasche und der Crowd.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Ein erster Kunde im Süden von Deutschland will eine erste 150 kWp Anlage bei uns kaufen. Die Auswirkung der Anlage auf die Fläche möchten wir dann zusammen mit dem Fraunhofer Institut untersuchen.

Zudem haben wir mit der Firma Goldbeck Solar einen ersten Lizenznehmer für Deutschland und erwarten auch hier die ersten Projekte. Für Goldbeck sind jedoch nur Projekte ab 5 MW interessant.

Zudem führen wir derzeit mit diversen Firmen Gespräche über mögliche Auslandsprojekte, wo die Auswirkungen um ein Vielfaches besser sind als in Deutschland.

Vielen Dank für das Interview.

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